In den Interviews über Kriegserlebnisse ergab sich neben den Erzählungen über den Krieg eine weitere Art von Erzählungen über die Erfahrungen in Kriegsgefangenschaft, insbesondere über die sowjetische Kriegsgefangenschaft. Diese Erlebnisse waren so dominant und existenziell, dass sie die vorherigen Erfahrungen im Krieg in den Schatten stellten. Von den eigentlichen Kriegserlebnisse erzählten die von Gefangenschaft betroffenen Interviewten dann nur noch sehr wenig bis nichts. Die nachfolgende Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI erstellt und der Name geändert.
Erfahrung russischer Gefangenschaft weiterlesenAlle Beiträge von Jochen Radau
Politische Prägung durch Kriegserfahrung
In den Interviews mit ehemaligen Kriegsteilnehmern äußerten sich viele antimilitaristisch. Nachfolgend veröffentliche ich dazu eine Zusammenfassung eines Gesprächs mit einem Interviewpartner. Ich erinnere mich, dass ich nach dem Gespräch den Eindruck bekam, dass es ein langer und wenig greifbarer Monolog war. Eines von der Art Gesprächen, bei denen kein einzelnes Erlebnis im Mittelpunkt steht. Das Gespräch war eher ein Bericht über eine schwierige Episode aus seinem Leben als Soldat. Den Namen habe ich geändert.
Politische Prägung durch Kriegserfahrung weiterlesenEin einschneidendes Trauma
In den von mir geführten Interviews mit ehemaligen Soldaten gab es selten das eine, einschneidende Erlebnis. In der Regel berichteten die Teilnehmenden von ihrer Gesamtsituation. Diese konnte einen zeitlicher Abschnitt von wenigen Wochen bis mehreren Jahren umfassen. Ein Teilnehmer ist mir mit seiner Erzählung bis heute besonders in Erinnerung geblieben, deshalb habe ich von diesem ursprünglich 10 seiteigem Interviewtext mit Hilfe von ChatGPT eine Zusammenfassung erstellt. Den Namen und einige persönliche Daten habe ich verändert. Das Interview führte ich im Oktober 2003.
Kriegserinnerungen bewahren
Das Hauptthema dieses Blogs ist der Umgang vom Kriegsteilnehmern mit ihren Erlebnissen und Erinnerungen. Ein Problem an der Dokumentation der Erlebnisse dieser Zeitzeugen ist, dass sie bald nur noch als schriftliche oder digitale Quellen existieren. Die Zeitzeugen werden immer weniger. Leider interessieren sich nach meinem Empfinden kaum noch junge Menschen für diese Erlebnisse. Umso mehr überraschte mich eine Anfrage und ein Anruf von Eric Dennemann, der sich zusammen mit weiteren engagiierten Menschen aus der jüngeren Generation in den Niederlanden mit der Erinnerung an die Zeit des zweiten Weltkriegs befasst. Sie haben dazu eine Stiftung mit dem Namen Oorlogsherinneringen (auf Deutsch übersetzt „Kriegserinnerungen“) gegründet.
„Die nächste Generation muss wissen, was unsere Vorfahren durchgemacht haben, um in Zukunft Schlimmeres zu vermeiden.“ Stiftung Oorlogsherinneringen
Die Aktivitäten der Stiftung sind vielfältig, unter anderem werden Zeitzeugenberichte dokumentiert und auf den Facebookkanälen der Stiftung veröffentlicht. Auch zu historischen Gegenständen werden die Geschichten der Menschen erzählt und so Geschichte lebendig gemacht, wie zum Beispiel der Flugzeugabsturz eines jungen Piloten anhand eines Flugzeug-Hinterrads, welches sich in dem Besitz einer Familie befand. Hier ist die Geschichte nachzulesen auf auf der deutschsprachigen Facebookseite der Stiftung.
Solche Gegenstände aus der Zeit des zweiten Weltkriegs werden vor Ort fachgerecht und legal geborgen, gesammelt und ausgestellt. Auch Sachspenden von Privatpersonen werden angenommen.
Hier gebe ich das Interview wieder, das ich mit Eric Denneman über die niederländische Stiftung Oorlogsherinneringen schriftlich geführt habe. Kriegserinnerungen bewahren weiterlesen
„… und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.“
Schulpädagogik zwischen 1933-1945
Mit den Worten aus der Überschrift endet ein Hitler-Zitat (Hitler 1938 aus Giesecke; Hitlers Pädagogen; 1993; Weinheim und München, Seite 17), welches im Gesamttext seine Idealvorstellungen über die Erziehung der deutschen Jugend beinhaltet. Darin beschreibt er, wie männliche Jugendliche ab dem Alter von 10 Jahren lückenlos verschiedene Organisationen durchlaufen, vom sogenannten „Jungvolk“ bis hin zur Wehrmacht, und „ganze Nationalsozialisten“ werden.
Im Rahmen einer Hausarbeit versuchte ich im Jahr 2001 die Rolle der Pädagogik bei der Durchsetzung der Nationalsozialistischen Ideologie am Beispiel des Schulwesens im Dritten Reich zu beleuchten. Ich wollte verstehen, wie die NS-Erziehung die damalige Schülergeneration möglicherweise geprägt hat. „… und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.“ weiterlesen
Krieg als Handwerk
Im Jahr 2004 suchte ich für meine Studie insgesamt zwölf ehemalige Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf. Einige lebten Zuhause mit Ihrer Frau, andere wohnten in Pflegeheimen. Diese Menschen berichteten von schlimmen Erlebnissen zu Zeiten des Krieges in ihren jungen Jahren. Sie erzählten nicht darüber, wie sie anderen schlimmes zugefügt haben. Am erstaunlichsten waren für mich die wenig greifbaren Antworten auf die Fragen, die sich mit den eigenen Wertvorstellungen und der Missachtung von Werten befassten. Obwohl die Häfte der Befragten Orientierungsmaßstäbe wie den Glauben oder die Erziehung benannten, konnten so gut wie keine Widersprüche z.B. zwischen dem eigenen Glauben und dem eigenen Handeln als Soldat erkannt werden.
Wie kann das sein? Krieg als Handwerk weiterlesen
Traumareaktivierung bei pflegebedürftigen älteren Menschen
Die AWO Schleswig-Holstein stellt seit 2012 einen Ratgeber zum Thema Kriegserinnerungen bei pflegebedürftigen Menschen zur Verfügung.
„Mit einem größer werdenden Risiko für körperliche Gebrechen, sensorische und motorische Einschränkungen steigt das Risiko für die Reaktivierung von Traumata.“*
Denn alte Menschen fürchten sich vor allem vor Abhängigkeit und Hilfslosigkeit, da diese Gefühle mit traumatischen Ereignissen zusammenhängen können (*Leitfaden zum Einfluss von Kriegserinnerungen auf die Pflege“, S. 38, Herausgeber: AWO Schleswig Holstein). Traumareaktivierung bei pflegebedürftigen älteren Menschen weiterlesen
Abhörprotokolle aus Kriegsgefangenenlagern
Anlässlich des Abschlusses seiner Bundesratspräsidentschaft hat Stephan Weil in einem kulturellen Abend am 30.09.2014 das Theaterstück „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ ausgewählt. Das Stück thematisiert wie deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft ungefiltert über das Töten und die Verstrickung der Wehrmacht in den Holocaust sprachen. Die Gefangenen wussten nicht, dass ihre Gespräche mitgehört wurden. Abhörprotokolle aus Kriegsgefangenenlagern weiterlesen
Gespräch unter Kameraden
Dieser Beitrag versucht zu beleuchten wie Soldaten im 2. Weltkrieg untereinander über belastende Ereignisse sprechen konnten. Die nachfolgenden Gedanken stammen aus meiner Studie zum Umgang mit Kriegserlebnissen. Gespräch unter Kameraden weiterlesen
Studie Umgang mit Kriegserlebnis und Kriegsgefangenschaft
Die Erzählungen meines Vaters machten mich auf die langfristige Prägung der Kriegsgeneration durch ihre Kriegserfahrungen aufmerksam. In der vorliegenden Studie befasse ich mich intensiv mit diesem Thema und befragte zu diesem Zweck Kriegsveteranen zum eigenen Umgang mit ihren persönlichen Erlebnissen.
Diese Studie untersucht, wie Soldaten und Kriegsgefangene des 2. Weltkriegs mit ihren Kriegserlebnissen umgingen, wie sie diese verarbeiteten und welche Bedeutung sie Ihnen aus heutiger Sicht zuschreiben.
In einem ersten Teil enthält die Studie die theoretischen Grundlagen zu den Folgen von Krieg und Kriegsgefangenschaft für die betroffenen Personen und den Möglichkeiten des Umgangs mit den existenziellen Bedrohungen dieser Erlebnisse vor dem zeitlichen Hintergrund des 2. Weltkriegs. Dazu werden Studien, Untersuchungen und Veröffentlichungen aus dem Zeitraum der 50er Jahre bis in die heutige Zeit herangezogen.
Im zweiten Teil werden diese Erkenntnisse auf die Ergebnisse der eigenen Befragung ehemaliger Soldaten und Kriegsgefangener angewendet. Die Befragung der Zeitzeugen erfolgt dabei mittels eines Interviewleitfadens, der sich an der Bedürfnistheorie der Sozialarbeitswissenschaftlerin Sylvia Staub-Bernasconi orientiert.
Erhältlich seit August 2014 hier bei amazon:
Umgang mit Kriegserlebnis und Gefangenschaft, Jochen Radau, Diplomica Verlag 2014
